Wenn VW den Namen Tiguan auf ein Elektroauto schreibt, ist das keine Kleinigkeit. Der Tiguan ist laut Volkswagen das weltweit meistverkaufte Modell der Marke, ID.4 und ID.5 gehören zu den erfolgreichsten Elektroautos des Hauses – zusammen über 950.000 Mal gebaut. Der neue ID. Tiguan soll beide Erfolgsgeschichten zusammenführen. Anfang 2027 kommt er auf den Markt, gebaut wird er in Emden. Der Vorverkauf läuft in Deutschland schon seit dem 13. Oktober, und zwar ab 42.695 Euro.
Drei Antriebe, bis zu 600 Kilometer
VW bietet den ID. Tiguan in drei Leistungsstufen an:
- Heckantrieb, 140 kW (190 PS) mit 58-kWh-Batterie
- Heckantrieb, 210 kW (286 PS) mit 77-kWh-Batterie
- 4MOTION-Allrad, 220 kW (299 PS), ebenfalls mit 77 kWh
Die WLTP-Reichweite liegt je nach Version bei bis zu 600 Kilometern. Spannender für viele Familien dürfte aber eine andere Zahl sein: Bis zu 2.000 Kilo Anhängelast mit der großen Batterie, 1.800 Kilo mit der kleinen. Damit taugt der ID. Tiguan auch für größere Anhänger – für viele Familien ein echtes Kaufargument. Dazu kommen bis zu 534 Liter Kofferraum und ein Frunk mit 32 Litern unter der Fronthaube, perfekt für das Ladekabel.
Endlich wieder Tasten
Der vielleicht wichtigste Fortschritt steckt im Innenraum. VW sagt, man habe Kundenwünsche gezielt in die Entwicklung einfließen lassen – und das merkt man vor allem an der Bedienung. Die Grundfunktionen der Klimaanlage sitzen jetzt auf einer Tastenleiste in der Mittelkonsole, das Lenkrad hat wieder physische Tasten statt Touchflächen, und Lautstärke sowie Sender- oder Songwechsel laufen über einen Drehregler. Für die vier Fensterheber gibt es eine neu konzipierte Bedieninsel in der Fahrertür. Außen kehren übrigens klassische Bügel-Türgriffe zurück.
Die Displays sind trotzdem groß geworden: 10 Zoll hinter dem Lenkrad, 15 Zoll in der Mitte und, als Novum in einem europäischen Volkswagen, ein 12-Zoll-Bildschirm für den Beifahrer. Der hat einen Privacy-Modus wie ein Laptop-Sichtschutz, damit der Fahrer nicht abgelenkt wird; den Ton gibt's auf Wunsch über gekoppelte Bluetooth-Kopfhörer. Davor liegen zwei Qi2-Ladeflächen, die das Smartphone magnetisch festhalten.
Das Detail, über das alle reden: der Golf-IV-Tacho
Ein Druck auf die „View“-Taste am Lenkrad, und im Cockpit tauchen die blauroten Instrumente eines Golf IV auf. Links ein klassischer Tacho, rechts ein stilisierter Drehzahlmesser, der in Wahrheit den Energiefluss des E-Antriebs zeigt. Im Infotainment kann man sich zusätzlich eines von sechs Modellen in eine virtuelle Garage stellen: Golf I, Golf II Country, Golf IV, Tiguan I, Race Touareg oder Käfer. Braucht kein Mensch, freut aber jeden, der in den Neunzigern auf der Rückbank saß.
Alltag: was serienmäßig ist und was extra kostet
Serienmäßig an Bord ist „One-Pedal-Driving“, also Rekuperation bis zum Stillstand. Der „Connected Travel Assist“ in der aktuellen Generation kann auf der Autobahn assistiert die Spur wechseln und stoppt den Wagen automatisch an einer roten Ampel. Gegen Aufpreis gibt es elektrisch einstellbare Vordersitze mit Massage-, Memory- und Belüftungsfunktion, ein Harman-Kardon-System mit 480 Watt und ein Panoramadach. Praktisch: Der digitale Schlüssel lässt sich per App an Familie oder Werkstatt weitergeben, und mit dem PowerSocket-Adapter im Ladeanschluss versorgt der ID. Tiguan externe Geräte mit Strom, vom E-Grill bis zum E-Bike.
Ausstattungslinien gibt es vier: Trend, Life, Style und R-Line.
Was wir noch nicht wissen
In der Pressemitteilung zur Premiere nennt VW weder die Ladeleistung noch Preise für die einzelnen Versionen und Ausstattungen. Gerade die Ladeleistung entscheidet auf der Langstrecke oft mehr als die reine Reichweite. Bevor man unterschreibt, lohnt deshalb ein genauer Blick in den Konfigurator und ins Datenblatt.
Für wen lohnt sich der ID. Tiguan?
Ja, wenn … du ein Familienauto für alles suchst, regelmäßig einen Anhänger ziehst oder dir bei einem Elektroauto echte Tasten wichtig sind. Für Umsteiger vom Verbrenner-Tiguan ist er der logischste Schritt: bekannter Name, klare Bedienlogik, und die Verbrenner-Version bleibt parallel im Programm, falls doch Zweifel bleiben.
Eher warten, wenn … du oft Langstrecke fährst und Ladetempo für dich das wichtigste Kriterium ist. Solange VW dazu keine Zahlen nennt, kaufst du hier ein Stück weit blind. Und wer sofort ein Auto braucht, muss ohnehin bis Anfang 2027 warten.
Unser Fazit
Der ID. Tiguan ist kein Revolutionär, sondern etwas, das VW gerade dringender braucht: ein Elektro-SUV, das sich so selbstverständlich bedienen lässt wie ein Verbrenner. Echte Tasten, viel Platz, zwei Tonnen Anhängelast und ein Einstieg ab 42.695 Euro – das ist ein starkes Paket für die Mittelklasse. Der Golf-IV-Tacho ist das Sahnehäubchen. Offen ist vor allem die Ladeleistung. Wenn die stimmt, dürfte das hier der neue Standard-Familienwagen in Deutschland werden. Wir würden ihn auf jeden Fall probefahren, bevor wir noch einmal einen Diesel bestellen.